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Ratgeber · Sanierung

Smart Home nachrüsten: Funk, Bus oder beides

Smart Home im Bestand: Funk oder Bus, offene Standards und Matter, Neutralleiter und Schalterdosen, Sicherheit und warum ein Gesamtkonzept wichtig ist.

Stand: 10. Oktober 20266 Min. LesezeitVon der Redaktion der Jagiera Bau GmbH, Elektro-Meisterbetrieb in BerlinFachlich geprüft von Tomasz Gawlik, Elektromeister
Das Wichtigste in Kürze
  • Im bewohnten Bestand ist Funk meist der praktische Weg; bei Sanierung mit offenen Wänden lohnt ein Bussystem wie KNX.
  • Laut Verbraucherzentrale starten Funk-Lösungen bei einigen hundert Euro, kabelgebundene Systeme kosten mehrere tausend Euro.
  • Viele Unterputz-Aktoren brauchen einen Neutralleiter in der Schalterdose und genug Einbautiefe; das fehlt im Altbau oft.
  • Offene Standards wie KNX, Zigbee, Z-Wave oder Matter schützen davor, an einen Hersteller gebunden zu sein.

Kurze Antwort

Ein Smart Home lässt sich auch in bestehenden Häusern und Wohnungen nachrüsten. Ohne Eingriffe in die Wände geht das am besten mit Funk-Systemen; laut Verbraucherzentrale bieten sie sich besonders im Altbau an. Steht ohnehin eine Sanierung an, ist der richtige Moment für ein kabelgebundenes System wie KNX. Entscheidend für Kosten und Machbarkeit ist die vorhandene Elektrik: Neutralleiter in den Schalterdosen, ausreichend tiefe Dosen, Platz im Verteiler und ein stabiles Funknetz.

Funk, Bus oder beides

FunkBus (z. B. KNX)Mischkonzept
Eingriff in WändekaumLeitung zu jedem Taster und Sensornur dort, wo ohnehin renoviert wird
Störanfälligkeithöhergeringje nach Anteil
Kosten Einfamilienhausca. 3.000–8.000 € inkl. Montagedeutlich höher, siehe KNX-Kostenschrittweise
Passt zubewohntem Bestand, WohnungKernsanierung, NeubauSanierung Raum für Raum
Einordnung nach Verbraucherzentrale; Kostenrichtwert für Funk nach listando (2026).

Offene Standards und Matter

Die Verbraucherzentrale rät zu offenen Systemen, deren Standard von mehreren Herstellern unterstützt wird, und nennt unter anderem Bluetooth LE, EnOcean, WLAN, Z-Wave, Zigbee und KNX. Dazu kommt Matter, ein herstellerübergreifender Standard, der über WLAN, Ethernet oder das Funknetz Thread läuft und das Zusammenspiel von Geräten verschiedener Marken vereinfachen soll. Wichtig ist eine lokale Zentrale, damit Licht und Heizung auch ohne Internet funktionieren.

Was die Elektrik können muss

  • Neutralleiter in der Schalterdose: Viele Unterputz-Aktoren und Dimmer brauchen ihn. In älteren Installationen liegt dort oft nur der geschaltete Leiter.
  • Tiefe Dosen: Schalter und Aktor müssen gemeinsam Platz finden; bei Renovierungen gleich tiefe Dosen setzen.
  • Platz im Verteiler: für Reiheneinbau-Aktoren, Gateways und Netzteile.
  • Schutzmaßnahmen: FI-Schutz und intakte Schutzleiter; im Altbau finden sich hier oft Mängel, die vor dem Umbau behoben werden sollten.
  • Netzwerk: stabiles WLAN oder besser kabelgebundene Access Points; Smart-Home-Geräte in ein eigenes Netz.

Arbeiten an der 230-V-Anlage dürfen nach § 13 NAV nur eingetragene Installationsunternehmen ausführen.

Sicherheit und Datenschutz

Smart-Home-Geräte können laut Verbraucherzentrale ein Ziel für Angriffe sein, und viele Geräte speichern Daten in der Cloud des Herstellers. Achten Sie auf lange Update-Zusagen, eigene Passwörter je Gerät, automatische Updates, ein getrenntes Netz für die Haustechnik und darauf, dass Fernzugriff nur eingeschaltet ist, wenn Sie ihn brauchen.

Ein Konzept statt Einzelgeräte

Die häufigsten Probleme entstehen durch viele Apps, mehrere Funkstandards und keine gemeinsame Zentrale. Wir planen Smart Home deshalb als Gesamtkonzept für Wohnung, Haus oder Gebäude: Bestandsaufnahme der Elektrik, Wahl des Systems, Einbindung von Heizung, PV, Speicher und Wallbox, saubere Dokumentation. Einzelne Geräte oder Zwischenstecker übernehmen wir nicht; das können Sie selbst einrichten.

Smart Home bei Sanierung und Neubau

Bestandsaufnahme, Konzept, Installation und Programmierung, mit KNX Partner im Team. KNX & Smart Home · Elektrosanierung

Häufige Fragen

Darf ich Unterputz-Module selbst einbauen?
Nein. Alles, was fest an das 230-V-Netz angeschlossen wird, ist Arbeit an der elektrischen Anlage. Nach § 13 NAV darf sie hinter der Hausanschlusssicherung nur der Netzbetreiber oder ein eingetragenes Installationsunternehmen ausführen.
Funktioniert das auch ohne Internet?
Das hängt vom System ab. Wir empfehlen Lösungen mit lokaler Zentrale, bei denen Taster und Automationen auch ohne Cloud funktionieren. KNX läuft ohnehin vollständig lokal.
Spart ein Smart Home Energie?
Bei der Heizungssteuerung oft ja. Bei vielen Komfort- und Sicherheitsfunktionen kann der Stromverbrauch laut einer Untersuchung des Öko-Instituts für die Verbraucherzentrale NRW aber sogar steigen. Auf geringen Standby-Verbrauch achten.

Quellen

  1. Verbraucherzentrale: Smart Home – das intelligente Zuhause
  2. Verbraucherzentrale: Moderne Elektrik planen und intelligent nutzen
  3. Niederspannungsanschlussverordnung (NAV), § 13
  4. listando: Smart Home Installation, Kosten 2026

Alle Angaben ohne Gewähr. Regeln und Preise ändern sich; maßgeblich sind die Vorgaben Ihres Netzbetreibers und die aktuellen Normen.