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Ratgeber · Energie

Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus

Zentral oder dezentral, Warmwasser und Legionellen, KfW-Förderung für MFH und WEG, Hausanschluss und Zähleranlage. Leitfaden für Hausverwaltungen.

Stand: 10. Oktober 20268 Min. LesezeitVon der Redaktion der Jagiera Bau GmbH, Elektro-Meisterbetrieb in BerlinFachlich geprüft von Tomasz Gawlik, Elektromeister
Das Wichtigste in Kürze
  • Wärmepumpen funktionieren auch im Mehrfamilienhaus, zentral für das ganze Haus oder dezentral je Wohnung.
  • Die größte Planungsfrage ist das Warmwasser: Legionellenschutz verlangt hohe Temperaturen, die die Effizienz senken.
  • Die KfW fördert bis 28.000 € für die erste, je 15.000 € für die zweite bis sechste und je 8.000 € ab der siebten Wohnung.
  • Im Mehrfamilienhaus entscheiden Hausanschluss und Zähleranlage oft mit über das Konzept.

Kurze Antwort

Eine Wärmepumpe kann auch ein Mehrfamilienhaus versorgen, im Bestand ebenso wie im Neubau. Die dena hat dafür einen eigenen Praxisleitfaden veröffentlicht und unterscheidet zentrale und dezentrale Lösungen. Die meiste Planung steckt im Warmwasser, weil Legionellenschutz und Effizienz gegeneinander abgewogen werden müssen. Die KfW fördert Eigentümergemeinschaften und Eigentümer von Mehrfamilienhäusern mit 30 % Grundförderung, Selbstnutzer können Boni beantragen.

Zentral oder dezentral?

LösungPrinzipTypisch für
Zentrale Wärmepumpeeine Anlage oder mehrere in Kaskade für Heizung und Warmwasser, Verteilung über das vorhandene NetzHäuser mit Zentralheizung
Zentral mit Wohnungsstationenzentrale Wärmepumpe, Warmwasser entsteht in jeder Wohnung im DurchflussprinzipSanierung mit kurzen Warmwasserwegen
Dezentral je Wohnungeine Wärmepumpe pro Wohnung oder Einzelraum-WärmepumpenHäuser mit Gasetagenheizungen oder Nachtspeicheröfen
HybridWärmepumpe für die Grundlast, Kessel für SpitzenBestand mit hohen Vorlauftemperaturen
Systematik nach dem dena-Praxisleitfaden für Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern.

Warmwasser und Legionellen

Im Mehrfamilienhaus mit zentralem Warmwasser gelten strengere Hygieneanforderungen als im Einfamilienhaus. Hohe Temperaturen in Speicher und Leitungen sichern laut Umweltbundesamt einen wirksamen Legionellenschutz, verschlechtern aber die Effizienz der Wärmepumpe. Lösungen sind kurze Leitungswege, Wohnungsstationen im Durchflussprinzip oder eine regelmäßige thermische Desinfektion. Welches Konzept passt, hängt vom Leitungsnetz des Hauses ab.

Förderung für Mehrfamilienhäuser und WEG

WohneinheitFörderfähige Kosten
1. Wohnung28.000 €
2. bis 6. Wohnungje 15.000 €
ab 7. Wohnungje 8.000 €
KfW-Programm 458, Stand Oktober 2026. Der Betrag für die erste Wohnung sinkt ab 01.02.2027 halbjährlich um 750 €.

Beispiel der KfW: Eine Eigentümergemeinschaft mit sieben Wohnungen ersetzt eine 25 Jahre alte Gasheizung durch eine Luft-Wasser-Wärmepumpe für rund 140.000 €. Förderfähig sind 111.000 €, die Grundförderung von 30 % ergibt 33.300 €. Selbstnutzende Eigentümer bekommen über Zusatzanträge zusätzlich ihre Boni.

Hausanschluss und Zähleranlage

Eine zentrale Wärmepumpe für ein Mehrfamilienhaus braucht deutlich mehr elektrische Leistung als eine Gasheizung. Zusammen mit Ladepunkten in der Tiefgarage oder einer PV-Anlage auf dem Dach wird der Hausanschluss schnell zum Engpass. Dazu kommen ein eigener Zählerplatz für die Wärmepumpe, die Steuerbox nach §14a EnWG und oft eine Erneuerung der Zähleranlage. Genau hier liegt unser Kerngeschäft: Wir planen Leistungsbedarf, Messkonzept und Zähleranlage und stellen die Anträge beim Netzbetreiber.

Mit einer PV-Anlage auf dem Dach kann der Solarstrom über Mieterstrom oder die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung an die Bewohner gehen; siehe PV im Mehrfamilienhaus.

Ablauf in der Eigentümergemeinschaft

  1. Bestandsaufnahme: Heizlast, Leitungsnetz, Warmwasser, Hausanschluss und Zähleranlage.
  2. Konzept und Kosten: Systemvarianten mit Kosten und Förderung als Grundlage für die Eigentümerversammlung.
  3. Beschluss: Die Eigentümerversammlung beschließt Maßnahme und Finanzierung.
  4. Vertrag und Antrag: Vertrag mit Förderklausel, Basisantrag durch die Verwaltung vor Beginn der Arbeiten, Zusatzanträge der Selbstnutzer.
  5. Umsetzung: Heizung, Hydraulik, Elektrik und Anmeldung in abgestimmter Reihenfolge, möglichst ohne lange Heizpause.
Für Hausverwaltungen und Eigentümergemeinschaften

Wir liefern Konzept, Kosten und Unterlagen für die Versammlung und setzen Heizung und Elektrik aus einer Hand um. Für Hausverwaltungen · Wärmepumpe

Häufige Fragen

Wer stellt den Förderantrag in der WEG?
Bei Maßnahmen am Gemeinschaftseigentum stellt die Verwaltung den Basisantrag für die Grundförderung. Selbstnutzende Eigentümer können Klimageschwindigkeits- und Einkommensbonus über einen Zusatzantrag holen, spätestens sechs Monate nach der Zusage des Basisantrags.
Reicht der vorhandene Hausanschluss?
Das hängt von der Leistung der Wärmepumpe und den übrigen Verbrauchern ab, etwa Ladepunkten in der Tiefgarage. Wir rechnen die Leistung vorab und stellen, falls nötig, den Antrag auf Leistungserhöhung beim Netzbetreiber.
Gibt es auch Förderung für vermietete Mehrfamilienhäuser?
Ja, die Grundförderung von 30 % gibt es auch für vermietete Häuser. Gehört das Haus einer GmbH oder GbR, läuft der Antrag über das KfW-Programm 459 für Unternehmen.

Quellen

  1. dena / Gebäudeforum klimaneutral: Praxisleitfaden für Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern
  2. Umweltbundesamt: Trinkwarmwasserkonzepte für Gebäude mit einer Wärmepumpe (Factsheet)
  3. Bundesverband Wärmepumpe: Leitfaden Trinkwassererwärmung
  4. KfW: Heizungsförderung für Privatpersonen – Wohngebäude (458)

Alle Angaben ohne Gewähr. Regeln und Preise ändern sich; maßgeblich sind die Vorgaben Ihres Netzbetreibers und die aktuellen Normen.